Wer in Hannover ein Grundstück verkaufen will, verkauft keine Immobilie im üblichen Sinn, sondern ein Baurecht. Bei einem Haus entscheidet der Zustand über den Preis, bei einem unbebauten Grundstück entscheidet die Frage, was ein Käufer darauf errichten darf und zu welchen Kosten. Zwei benachbarte Flurstücke gleicher Größe können deshalb deutlich unterschiedliche Quadratmeterpreise erzielen, wenn das eine im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans liegt und das andere nur über die Umgebungsbebauung zu beurteilen ist. Diese Seite ordnet die Faktoren, die den erzielbaren Preis Ihres Grundstücks tatsächlich bestimmen, und benennt die Unterlagen, die Sie vor dem ersten Verkaufsgespräch beschaffen sollten.
Die Bodenrichtwerte für Hannover ermittelt der Gutachterausschuss für Grundstückswerte. Sie sind über das niedersächsische Portal BORIS-NI kostenfrei einsehbar, und die meisten Verkäufer beginnen dort. Richtig ist das, solange Sie wissen, was Sie in der Hand halten: Ein Bodenrichtwert ist der Durchschnittswert einer ganzen Bodenrichtwertzone, kein Preis für Ihr einzelnes Flurstück. Er beschreibt ein fiktives Grundstück mit den für die Zone typischen Eigenschaften, nicht Ihr Grundstück mit seinem Zuschnitt, seiner Tiefe, seiner Erschließungssituation und seinem konkreten Baurecht.
Die Brücke zwischen Zonenwert und Einzelfall schlägt der Grundstücksmarktbericht, den der Gutachterausschuss jährlich veröffentlicht. Er wertet die tatsächlichen Kauffälle aus und enthält Umrechnungskoeffizienten, unter anderem für die Grundstücksgröße und die Geschossflächenzahl. Damit lässt sich nachvollziehbar begründen, warum ein sehr großes Grundstück je Quadratmeter unter dem Richtwert liegt oder warum eine höhere zulässige Ausnutzung einen Aufschlag rechtfertigt. Für die Preisverhandlung ist genau diese Herleitung wertvoll: Sie tauschen eine Behauptung gegen eine Rechnung, die der Käufer prüfen kann.